as time goes by: Traditionstreffen der Lech-Gäste

Liebe „Arlberger“!

Die Lech-Zürs-Gäste unter Euch wissen es sicher schon sei ein paar Wochen:In diesem Jahr findet Mitte Juli wieder das traditionelle Stammgäste-Treffen in Lech statt.

Wer es schon ein Mal erlebt hat, wird sich erinnern an die fröhlliche Gastfreundschaft, die uns von den Zürs-Lecher Hoteliers und Gastwirten gewährt wurde.

Ich selbst habe eine sehr persönlliche Erinnerungen an ein solches Stammgäste-Treffen vor etwa 30 Jahren. Die unvergessene Anni Beiser vom Astoria in Oberlech, hatte uns und damit natürlich unsere Tochter Swantje kurzerhand zu Stammgästen gemacht, obwohl wir erst am Anfang unserer Lech-Karriere standen.Und so begleiteten wir sie auch zum traditionellen Vorarlberg Musikfest ,welches auch damals schon zur gleichen Zeit stattfand. Damals ist es ihr zu unserer klammheimlichen  Erheiterung gelungen, unsere damals etwa 5-jährige Tochter Swantje davon zu überzeugen, dass all die Musikanten und trachtengeschmückten Gäste von nah und fern einzig aus Anlass ihres Geburtstags am 26.7. nach Lech kommen waren…..insgeheim glaubt sie es wahrscheinlich heute noch…..

Ein posthumes Danke, liebe Anni, für dieses Stück unauslöschlliche Kindheitserinnerung!

Vele Jahre sind seither vergangen – der Lange Zug ist von der Eliteabfahrt zur obligatorischen abendlichen Schluss-Abfahrt für den fortgeschrittenen Pistenfahrer geworden, und ich erinnere mich noch sehr lebhaft an den empörten Ausruf eines Stammgastes aus den noblen Hamburger „Elbvororten“, der meinen Bericht über die präparierte Piste am Langen Zug mit den Worten kommentierte „da fährt dann ja jetzt wohl jeder runter….“

Wer ihn kannte, wusste sofort: Sein elitäres Bewusstsein hatte einen nachhaltigen Knacks erlitten!  Na ja –sein Problem….ich mochte ihn nie!

Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Mir erging es ein bisschen ähnlich, als Anfang der 70er Jahre das Madloch umgestaltet und vor allem im oberen Teil entschärft wurde – die armen Skilehrer jener Tage mussten von da an jeden Anfängerkurs am dritten Tag aus Prestigegründen übers Madloch ins Tal geleiten…na ja, vielleicht war`s nicht am dritten Tag, aber doch spätestens am Ende der ersten Woche und für viele dann manchmal einfach zu früh. So etwa für meinen Freund Christian S. aus Hamburg während seines ersten Lech-Aufenthalts. Am Hexenboden in Zürs hatte ich ihn aus den Augen verloren und dann nach einer ausgiebigen Tour durchs „Täli“ im untersten Schusstück der Madloch-Abfahrt  „wiedergefunden“. Schon von weitem sichtbar, scheinbar unbeobachtet, schweissüberströmt von der ungewohnten Anstrengung und aufrecht stehend wie eine Säule warf er die Stöcke in die Luft und jubelte ein übers andere Mal „ich habs geschafft, ich habs geschafft….“ Mein grinsender Kommentar, während ich ihn überholte: Beim nächsten Mal sag mir aber bitte vorher, wo wir Dich notfalls rausholen müssen …

Das „Astoria“ in Oberlech, dem wir so viele Jahre treu geblieben waren, existiert trotz einer treuen Stammgäste-Schar seit November 2016 nicht mehr – die Familie Beiser hat Oberlech fast ausnahmslos verlassen, und eine lange, lange Tradition hat ihr Ende gefunden.

Erst schöne lange Jahre im „Almfrieden“, dann ein Intermezzo im „Hirschen“ in Ludesch und später  der Neubeginn im ehemaligen „Haus Burgi“ im Jahr 1985…..

Dort zählten wir dann zu den Gästen der erste Stunde…..und wir sind ein wenig stolz darauf, dass wir im November 2016 auch die letzten waren.

Der überraschende,   durchaus freiwillige und letztendlich sicher auch sinnvolle Beschluss im Spätsommer 2016, das Haus zu schließen, hätte vielleicht durch frühzeitige organisatorische Überlegungen  einen anderen Weg finden können …ein Stück Familiengeschichte ist  auch für meine Familie jedenfalls auf der Strecke geblieben.

Da geht dann die Erinnerung auch zurück an den „Chef“ Sepp Beiser, der über lange Zeit als Leiter der Oberlecher Skischule vom örtlichen Geschehen so wenig wegzudenken war wegzudenken war wie aus der Küche des „Almfrieden“ und später dann „Astoria“– so, wie sein Bruder Heini, mit dem wir in den siebziger Jahren manchen Einkehrschwung geübt haben. Ich kannte beide lange, bevor sie viel zu früh von uns gegangen sind.

Sepp Beiser war ein Stück Arlberger Urgestein. Zuhause in Oberlech, war er unter bescheidenen Bedingungen in den 30er Jahren aufgewachsen, und seine Witwe Anna und die Kinder  haben nach seinem Tod im Mai 1985 oft von seiner Kindheit auf den Almwiesen rund um Bürstegg erzählt, wo er die elterlichen Kühe hüten musste und sich zuweilen im Spätwinter und Frühjahr die Füße mangels wärmender Schuhe in wohlig warmen Kuhfladen gewärmt hat….

Und dann natürlich Anni – die Seele des Hauses! Wir hatten über lange Jahre eine sehr herzliche, innige und vertraute Beziehung zu ihr, die weit mehr war als man hinter dem Begriff des „Stammgastes“ üblicherweise vermutet! Sie war eine „Wirtin“ im ursprünglichsten Sinn des Wortes….An jedem Regentag schien sie die Schuld bei sich zu suchen, weil doch ihre Gäste „das viele Geld fürs Skifahren bezahlen müssen.“.(O-Ton Anni Beiser irgendwann in den 90ern)

Unvergessen sind jene langen Abende in ihrer Gaststube, an denen zum Beispiel der noble „Glenfiddich“-Whiskey sich als ganz profaner Obstler entpuppte, weil Sepp (noch wenige Wochen vor seinem allzu frühen Tod) den selbstgebrannten Obstler in die falsche Flasche gefüllt hatte. Anni wäre am liebsten in den Boden versunken und bekam noch Jahres später rote Ohren,wenn wir davon sprachen. Gern hab ich mich für die vielen netten Stunden bedankt, indem ich mit ihrer Vollmacht in der Tasche  eine Zechprellerin bis vors Amtsgericht Berlin verfolgt habe, was sich ansonsten allein aus Kostengründen von Österreich aus unsinnig erwiesen hätte ….der ungedeckte Scheck wurde dann wirklich nach etwa einem Jahr eingelöst!  Wenn doch meine eigenen Anwälte auch immer so hartnäckig agiert hätten…;-((
Ich glaube, es gibt keinen eindrücklicheren Beweis menschlicher Anteilnahme und Verbundenheit als jene Kerze, die sie an einem der unerfreulichsten Tage der neunziger Jahre für mich in der Lecher Kirche entzündet hat – mag man zu religiöser Symbolik stehen, wie man will. Es gibt Dinge, die stehen darüber …..

 

Aber Glück im Unglück! Schon im ersten Nach-Astoria-Winter fanden wir eine neue Heimat, die wir so bald auch nicht wieder verlassen wollen. Das Formarin am Schlosskopfhang – dem Bechler-Clan seit Jahren bekannt für den besten Kaiserschmarrn am ganzen Arlberg- nahm uns in seine Obhut und die Chemie zwischen Gästen und Wirtsleuten stimmte von ersten Tag an!

Service, Küche und nicht zuletzt die sympathische Wirtsfamilie haben uns vom ersten Tag an davon überzeugt, dass wir hier richtig gewählt hatten. Bei allem Streben nach gastronomischem Niveau sind hier die Bodenständigkeit, Herzlichkeit und sportliche Atmosphäre erhalten geblieben (auch am Arlberg durchaus nicht selbstverständlich!) – der einzige Wunsch, der am Ende des ersten Formarin-Urlaubs übrig blieb, war  der Wunsch, möglichst bald wiederzukommen…so geschehen zum Ende der Saison schon zweimal von meiner Seite und auch von meinem Sohn Jan und unserem Freund Christian B. spontan zum Saisonschluss. Selbst als ich für einige Stunden zu den Feierlichkeiten zum 60.Geburtstag der Albona-Bahn angereist war, blieb immerhin gegen Mittag noch Zeit für den legendären Kaiserschmarrn.

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Und wenn ich jetzt höre, dass man im Hause Bischof  Neues  plant und gebaut und gemauert wird, dann kann man sich jetzt schon freuen und gutes Gelingen wünschen..nicht zuletzt im wohlverstandenen Eigeninteresse…Die beiden haben bisher so vieles richtig gemacht – was soll da schon schief gehen! Unser Freund Harald Beiser, der letzte verbliebene Astoria-Repräsentant in Oberlech und selbst ein sehr guter Koch, ließ sich nicht zweimal bitten, als wir ihn zum Abendessen ins  Formarin riefen. „Der kann schon verdammt gut kochen….“ war sein Kommentar.

Und nun bin ich gespannt auf das Treffen der Ehrennadel-Träger in der Mitte des Monats – ich hoffe, unter  den vielen altgedienten Arlberg-Gästen einige bekannte Gesichter zu sehen und die eine oder andere „Neuigkeit“ zu hören (wenn man so etwas bei Berichten aus vergangenen Tagen so nennen darf)

Ich werde davon erzählen—und ich freue mich aber auch über jeden Kommentar von meinen Lesern. Dafür gibt es diesen Blog, aber unter anderem auch die Email-Adresse derarlberg@gmx.de.

Im Übrigen gilt auch heute wie jedes Mal: It`s never goodbye – it`s just later….

Euer Ekki Bechler

im Frühsommer 2017l

2 Gedanken zu „as time goes by: Traditionstreffen der Lech-Gäste

  • 7. Juli 2017 um 7:55
    Permalink

    Liebe Familie Bechler, hallo Herr Bechler!
    Ganz herzlichen Dank für die Mail und das so wunderbar „Geschriebene“. Es ist nicht nur sehr sehr schön Ihnen zu zuhören, sondern auch in Ihren Zeilen zu schmöckern.
    Wir freuen uns aufs Wiedersehen (hoffentlich beim Fest der Ehrennadeln) und senden die herzlichsten Grüße nach Hamburg.
    die Bischöfe

    Antwort
  • 8. August 2017 um 15:58
    Permalink

    Lieber Ekki und liebe Silke,

    wir freuen uns sehr, daß Ihr im Formarin so gut untergebracht seid. Skifahrermaßig können wir uns
    leider dort nicht treffen, aber vielleicht würde ja doch ein Wiedersehen im Sommer/Herbst mal
    klappen. Die Blogs sind so interessant – mach weiter so. Liebe Grüße

    Gudrun und Reinhard

    Antwort

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