„Inside the Arlberg“-ein interessantes Buch?!

Eigentlich hatte ich mich von diesem Blog  gedanklich verabschiedet – andere Schwerpunkt haben Vorrang gehabt. Aber irgendwann in nächster Zeit wollte ich das geplante Buch über „Lifte, Leute und Legenden“ dann doch zu Ende bringen. Und da schien es, als seien andere mir zuvor gekommen. „Inside the Arlberg“ heisst ein Buch, auf das mich einige Arlberger Freunde hingewiesen haben – und auf die Tatsache, dass irgendwo Interesse zu bestehen schien, Bild- und Urheberrechten erwerben. Näheres habe ich nicht erfahren..vielleicht verständlich zum Schutz meiner Bezugspersonen.

Und dann erfuhr ich von „Inside the Arlberg“   Im Buchhandel nicht erhältlich, gab es dann die iBook-Varante, und die ließ mich entspannen….Trotzdem : Eine Betrachtung lag nahe und wird wohl an passender Stelle demnächst als Rezension bereitgestellt. Hier aber vorab einige Anmerkungen:

Zunächst das Wichtigste: Ein nettes Buch, das man immer wieder gerne einmal zur Hand nehmen wird, wenn man sich in der einen oder anderen Weise dem Skilauf am Arlberg verbunden fühlt und gelegentlich seine Erinnerungen auffrischen will. Die technisch, textlich und optisch  ansprechend gestaltete ibook-Variante ist zwar eine „Katze im Sack“, aber den Kauf (zum Preis von ca. 14 €) wird kaum einer bereuen! Lesenswert dabei u.a. die netten und einfallsreichen Kapitelüberschriften! Auch manche historischen Abbildungen in guter Wiedergabequalität werden viele Arlberg-Besucher erfreuen – größtenteils offenbar hervorgegangen aus „amtlichen“ Quellen der Gemeinde St.Anton.

Enttäuschend ist das Buch aber auch, denn es ist in weiten Teilen nicht das, was es zu sein vorgibt!

Vom „Insider“ darf man Hintergrundwissen erwarten, welches andernorts nicht oder nicht ohne eigenes Bemühunen zu erlangen ist. Und immerhin stammt ja zumindest eine der beiden Autorinnen zwar nicht vom „Arlberg“, aber doch immerhin aus Vorarlberg! Was aber präsentiert wird, konzentriert sich im ersten Drittel des Buches auf einen kurzen Abriss ausgewählter historischer Ursprünge des „Arlberg“skilaufs , gefolgt von allgemein Bekanntem und Sichtbarem (Erwähnung typischer und allgemein bekannter Ski-Abfahrten, , „Locations“, Berge etc.) und persönlichen Anmerkungen (Erlebnisse und Portraits herausragender zeitgenössischer „Arlberger“ Skisportler usw.).

Sehens- und lesenswert auch hier der Einblick in (vermutlich sorgsam  gehütetes?) historisches Bildmaterial der Gemeinde St.Anton, Fotografien des Skifotografen und -filmers Hanno Mackowitz und aus dem persönlichen Umfeld der Arlberger Ski-„Profis“ und „Freerider“, zu denen auch die beiden Autorinnen offensichtlich zu zählen sind. Daher Insider?

Ein „Insider“ lässt aber auch Hintergrundwissen erwarten, für das bei manchem potenziellen Leser möglicherweise Interesse, aber meist nur begrenzter Zugang bestehen mag. Hier bietet der Band zu wenig, gemessen an der vom Titel geweckten Erwartung!  So bleiben die aktuellen und historischen technische Hintergründe des Arlberger Skisports und der Infrastruktur des Liftbetriebs weitgehend unerwähnt, und wo Namen wie Sepp Bildstein, Emil und Arthur Doppelmayr u.a. fehlen, scheint dem „Insider“ etwas entgangen zu sein! Und wenn vom „Langen Zug“ (..der beginnt übrigens nicht wirklich am Rüfikopf  und  endet streng genommen auch nicht mitten in Lech!! ) nicht mehr erwähnt wird als sein ungewöhnlich steiler Verlauf („diese Piste verzeiht keinen Fehler“) , gibt es -wie „Insider“ wissen sollten- doch ein wenig mehr zu sagen.  Auch die legendäre wahre(!) Geschichte vom unvergessenen „Lawinen-Franz-Josef“, der bis heute in nahezu jeder Arlberger Gaststube „an der Wand“ hängt („Warum eigentlich?“), vermisst man….gerade, wenn man den Arlberg und sein berühmtestes Foto kennt! Die Urheberrechte dieses berühmtesten Bildes haben eine eigenwillige Geschichte  und dürften zumindest nicht bei der Gemeinde St.Anton, sondern eher beim Hans Truöl-Archiv liegen, das den Nachlass des einst berühmten Lech-Fotografen Hans Truöl verwaltet. Immerhin sorgt  die Erwähnung des Warther Pfarrers Johann Müller  für weithin unbekanntes „Insider“-Wissen! Und die eindrucksvolle Geschichte der Bertha Ploner im  Zuger „Älpele“ (heute eines beliebtesten Restaurants in Lech) hätte hier einen Platz gehabt.  Insider-Wissen eben!

Was dagegen reichlich geboten wird, sind blumige Texte über die zeitgenössische Locations, Gastronomie und Hotellerie des Arlbergs -aus wessen Feder auch immer sie stammen mögen-, bei denen in der zweiten Hälfte der rd. 240 Seiten des Buches sein Auftragscharakter recht deutlich zu Tage tritt. Vollständigkeit darf hier nicht erwartet werden – dass aber der wohl prominenteste Hersteller handvermessener „ski boots“ unerwähnt bleibt, erstaunt. Ein wenig Etikettenschwindel und gezielte Auswahl sind da sicher im Spiel , aber als Finanzierungsquelle des durchaus anspruchsvollen Vorhabens (im Selbstverlag!!) und auch als „ego marketing“ und „self promotion“ der Autorinnen mag das ja grundsätzlich legitim erscheinen. Zumindest für den Wiederholungstäter am Arlberg ist das alles aber wohl überwiegend verzichtbar, weil altbekannt und offensichtlich – ob Aurelio, Goldener Berg oder Schmelzhof…und um das „Wiesele“ zu kennen, braucht`s kein „Insider“wissen.

Hier scheint die Konzeption des Buches doch ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten zu sein – erst recht vor dem Hintergrund der vielerorts von den Autorinnen betonten emotionalen Motivation und Verankerung ihres Projektes.

Fazit: Alles in allem nicht schlecht gemacht ! Der Kauf der ibook-Variante lohnt sich als „Souvenir“ sicher für viele, denen es am Arlberg gefällt, und das angebotene Rückgabe-Recht für die (teurere) Printversion lässt auch diese Option nicht als „Katze im Sack“ erscheinen – das ist fair!. Wirkliches „Insiderwissen “wissen fehlt hingegen. Nach fast 55 Jahren eigener Beobachtung am Arlberg:   leider!

Die mögliche Konsequenz : Nicht meckern, sondern selber machen! Wait and see… Ekkehard Bechler

 

 

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