Der pfeifende Kronzeuge

Es geht weiter mit meinem Bericht über Lifte und Leute!

Die Zeit beim Treffen der Stammgäste liegt inzwischen schon mehr als zwei Wochen hinter mir und ich blicke zurück auf eine ganze Reihe erfreulicher Begegnung, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Ein besonderes Highlight natürlich der Gala-Abend: ein exzellentes Festessen mit dem köstlichen Lecher Festwein – gekonnt moderiert von Stefan Jochum mit seiner vorzüglichen „Mikrofon-Stimme“

Nicht nur alte Bekannte tauchten auf, sondern auch neue Gesichter, die aber zu Teil genau so lange dem Lech/Zürser Arlberg verbunden sind wie ich. Man war sich halt bisher nicht über en Weg gelaufen. Die Kommunikation klappte jedenfalls bestens.

Da wurde viel über Erlebtes und Vergangenes geredet, und manche Mosaiksteine fügten sich plötzlich zu einem Bild zusammen, und aus der Erinnerung tauchten längst vergessene Ereignisse auf….

Da war zum Beispiel die Geschichte vom pfeifenden Clown aus Kunststoff (oder Porzellan -getestet hab ich es nie!) , der in einer der gemütlichsten Glühweinstuben des westlichen Arlbergs über lange Jahre in treuer Pflichterfüllung über den Schnapskonsum gewacht hatte,…bis er eines Tages klammheimlich in der Versenkung verschwunden war. Viele –so weiß ich inzwischen- haben ihn bish heute in Erinnerung, haben sich aber über sein Verschwinden keine Gedanken gemacht.

 

Seine Aufgabe war es gewesen, den anwesenden (Apres-)Skifahrern jedesmal die frohe Kunde zu vermitteln, dass einmal mehr ein großzügiger Spender seine Weggefährten der vergangenen Abfahrten mit einer „Runde“ belohnt hatte –ob „Willie“, Obstler oder Marille, Hauptsache hochprozentig! An manchem Nachmittag kam der Bursche aus dem Pfeifen nicht heraus!

Auf dem Tresen hatte er gestanden -ca.35 Ze.ntimeter hoch und mit einer unverwüstlichen Mechanik in seinem Innerern. Diese erlaubte es ihm, auf Knopfdruck dem Spender zu Ehren eine –offen gestanden nervtötende – Melodie zu pfeiffen . Ein geschultes Ohr konnte darin möglicherweise „around the world in eighty days“ erkennen, aber das ging meist im allgemeinen Jubel und Gelächter unter.

Das alles war schon lange zur Tradition geworden, bis eines Tages dunkle Wolken am Horizont aufzogen.
Irgendwem in der „Chefetage“ –so wurde mir inzwischen von verschiedener Seite berichtet- war aufgefallen, dass die buchhalterischerfassten Verbrauchsmengen hochgeistiger Getränke den Gesetzmäßigkeiten des alpinen Skilaufs zu folgen schienen – nämlich anhalten bergab! Und das bei  unverminderter Trinkfreudigkeit der Gäste und (bis heute) anhaltender Beliebtheit jener gemütlichen Gaststube!

Irgendwas rief da nach genauerer Beobachtung, und was war da leichter, als den unüberhörbaren Pfeifkonzerten zu lauschen! Multiplizierte man nämlich beispielsweise deren unüberhörbare Zahl mit der geschätzten durchschnittlichen Gläserzahl pro Runde, ergab sich (selbst ohne Taschenrechner!) eine unerklärliche Diskrepanz zu den buchhalterischen Soll-Werten, die zunehmend zum Stirnrunzeln Anlass bot.

Na ja, der Rest ist Geschichte….Mir selbst war zu jener Zeit zwar ein unerwarteter Personalwechsel beim traditionellen Servicepersonal aufgefallen, aber ein Schelm, der Böses dabei denkt…dachte ich.Nach mehr als zwanzig Jahren dann die Erklärung: der Pfeifer war ungewollt zum Verräter geworden.
Um so lauter war dann auch das Gelächter an jenem Nachmittag vor etwa drei Wochen, als sich oben auf dem Rüfikopf plötzlich im Gespräch unter langjährigen Kennern der Szene eine unerwartete Erklärung für die längst vergessenen Ereignisse ergab.

Dies war nur EINE von vielen netten Episoden, die ich in den Tagen des Stammgäste-Treffens vernahm, und bei nächster Gelegenheit erzähl ich mehr davon. Ich hoffe, bei der SCA-Versammlung Anfang September meine „Recherchen“ ausweiten zu können und melde mich ganz bald mit weiteren Erzählungen, die ich schon in der „pipeline“ habe.

Doch halt: Jetzt, wo ich davon berichte, fällt mir spontan noch eine nette Geschichte ein:
Eigenwillige Berechnungsverfahren waren mir schon vor etlichen Jahren – es mag so etwa 10 Jahre her sein- an gleicher Stelle in jener urgemütlichen Glühweinstube (sie war übrigens vor langer Zeit unser „Standesamt“ und Hochzeitszimmer gewesen!) über den Weg gelaufen! Die beteiligten Personen waren inzwischen naturgemäß andere, aber die Abrechnungsmodalitäten nicht minder bemerkenswert!

Es hatte den Vormittag über heftig geschneit, und ein Glühwein zwischendurch zum Aufwärmen blieb ohne Gegenwehr!. Als verantwortungsbewusste Skifahrer beschränkt wir drei -Walter aus Lübeck, Silke und ich-uns auf einen Einzigen pro Person und sparten uns weitere Stärkungen für den späteren Nachmittag auf .

Am Alkohol kann es also nicht gelegen haben, dass ich die Rechnung unkritisch und anstandslos beglich und um ein angemessenes Trinkgeld aufrundete.

Der Rechnungsbetrag hatte auf 15,70€ gelautet, mit viel weniger hatte ich nicht gerechnet und ohne langes Nachdenken 17€ daraus gemacht. Frohgestimmt wollten wir uns auf den Weg machen, bis unser Begleiter Walter aus Kiel (ein ex-Kriminaler!!) beim Weggehen die unvermittelte Frage stelle: „Hast Du schon einmal 15 Euro 70 durch drei geteilt?“ Ich musste ihm Recht geben: das ging irgendwie nicht so richtig…!

(Ungeachtet des Rechenergebnisses werden Kenner der Szene ungefähr einschätzen können, dass es lange es her sein muss, dass drei Glühwein –zumal an jenem Ort!-zu einem ungefähren Preis zwischen 15 und 16 Euro erhältlich waren!)

Auch wenn es sich eigentlich um „peanuts“ handelte – hier schien sich eine nette Episode anzubahnen! Das konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Zurück in der Gaststube begann Walter –der Kriminaler- mit seinem Verhör.
Einer der dienstbaren Geister des Lokals sah sich unvermittelt mit der Frage konfrontiert, ob denn 3 Glühwein 15 Euro und siebzig kosteten. „Jo,jo, des passt scho..“ hieß es ohne zu Zögern (und erkennbar auch ohne nachzudenken), aber Walter ließ nicht locker und setzte die Zeugenvernehmung fort!

Was kostet denn EIN Glühwein, hakte er nach, und die Antwort kam nicht weniger flott „Ja des woaß doch i nett!“

Man war geneigt es ihm zu glauben!

Das Verfahren wurde schließlich wegen Geringfügigkeit eingestellt, und der Chef des Hauses, dem ich bei einem späteren freundschaftlichen Gespräch augenzwinkernd von der Begebenheit berichtet, revanchierte sich mit einer Brettljause!

Das war`s dann für heute. Ich melde mich bald wieder.

Bis dahin also wie immer „it`s never goodbye – it`just later!“

Euer Ekkehard „Ekki“ Bechler

Ein Gedanke zu „Der pfeifende Kronzeuge

  • 8. August 2017 um 15:41
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    Schöne Geschichten – solche Erlebnnisse vergißt man einfach nicht trotz Marille. Die Begleitmusik
    kannten wir natürlich zur Genüge! Irgendwann war es dann aber genug und einfach auch zu
    auffällig, denn bei jeder Runde so begleitet zu werden……

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