Die Fahrkarten bitte…..Etappen einer Entwicklung (1)

Lieber Alberger,

jetzt ist es erstmal vorbei mit dem Zauber der Arlberghänge – wir schreiben den 24.4.2017 , die Skipässe sind abgelaufen, und nur die Besitzer der persönlichen SCA-Karte bewahren ihren Pass bis zur Auffrischung im nächsten Jahr. Aber halt, da gibt es hier und da noch einige Relikte aus der Frühzeit des automatisierten Liftzugangs, die nicht so schnell in Vergessenheit geraten sollten!

Erinnern wir uns kurz: Als ich um 1970 herum erstmals die Arlberghänge in Angriff nahm, da gab es die Punkte-Karten. Anfänglich für einzelne oder eine Gruppe von Liften gemeinsam, hinterher dann für ganze Teilregionen des Skigebiets. Vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung war dann der Arlbergblock, der schon eine weitgehende Freizügigkeit bei der Nutzung des damals existierenden Skigebiets erlaubte –nach Art von Strassenbahn-Tickets erfolgt eine Entwertung durch Abreissen oder Lochen der einzelnen Berechtigungsfelder. Immerhin war so eine größere Freizügigkeit bei der Nutzung des wachsenden Skigegebiets erreicht.

Wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung hatte auch hier ein Mitglied jener Familie Bildstein genommen, von der an anderen Stellen dieses blogs noch verschiedentlich die Rede sein wird: Adelheid Schneider hatte mit unermüdlichem Weitblick und  oft gegen den allzu engen Blick der einzelnen Liftbesitzer schon früh für eine Integration der individuellen Tarifhoheiten geworben. Sie hatte offenbar rechtzeitig erkannt, dass hier nicht der „ökonomische Kannibalismus“ drohte, wo der eine den anderen aufzufressen drohte, sondern dass der gemeinsame Auftritt eine zunehmende Attraktivität der Region an den Tag fördern würde.

Umständlich war’s am Anfang trotzdem, und so wurde es von vielen Aktiven begrüßt, als ein zunehmender Zusammenschluss (Verkehrsplaner sprechen heute oft von einem „Tarifverbund“) mit einem maschinenlesbaren  Ticket einher ging. Am Anorak befestigt oder um den Hals getragen konnten nun ohne große Mühe die Zugangsschranken durch bloßes Einführen in ein Lesegerät überwunden werden – wenn das Ticket sich nicht bei einem vorausgegangen Sturz im Tiefschnee verflüchtigt hatte.

Wie in so vielen Bereichen des Lebens hielt dann auch hier die Elektronik Einzug, und  die nächste Etappe war dann das Gegenhalten an ein  Lesegerät am Eingang, was sich dann rasch erübrigte, weil die Liftkarten bald auch über die kurze Entfernung identifiziert werden konnten. Schummeleien durch heimliche Weitergabe eine gerade eben genutzten Tickets konnten durch eine kluge zeitgesteuerte Software in Grenzen gehalten werde, zumal von einer gewissen Geltungsdauer des jeweiligen Tickets dann auch zur Missbrauchjskontrolle Fotos der Benutzer ins Spiel kamen. In späteren Jahren und nach einem gewissen Fortschritt der elektronischen Datenverarbeitung erschienen dieses Fotos vielerorts dann nicht mehr auf dem Skipass, sondern wurden klammheimlich beim Passieren der Schranke auf dem Bildschirm des Dienst-PC im Kontrollraum sichtbar!

Und an dieser Stelle meiner Erinnerungen kam mein Fundstück aus der hintersten Schreibtisch-Schublade zum Vorschein:

Die Skipass-Uhr

Hamburger Freunde hatten sie meiner Frau geschenkt als Dank für einen wohlvorbereiteten Arlberg-Urlaub!  Eine diskrete Bewegung mit dem Handgelenk-und schon war der Arlberg für einen Moment „schrankenlos“…..(nicht ohne für alle Fälle ein Identifkationsfoto in der Hosentasche)

Damals – lange vor der Zeit von NFC („Near Field Communication“) und ähnlichen Errungenschaften der fortgeschrittenen Elektronik- eine beeindruckende (und nicht ganz billige) Errungenschaft, die das Leben im Schnee erleichterte – heute: na ja, man ist an so etwas halt seit langem gewöhnt…

Was unsere Freunde damals zu allem Überfluss leider nicht wussten: Schon in der nächsten Saison war eine neue Technologie am Start, und der Trost, dass an anderen Orten diese Uhr durchaus noch zum Einsatz kommen könne, half wenig – wer will da schon hin, wenn er Jahrzehnte am Arlberg war!

Aber immerhin: nach einem Batteriewechsel fing sie jetzt nach langem Stillstand vor gut einer Woche (wir schreiben den 20.4.2017) sofort wieder an zu ticken. Nur ins Theater oder Konzert kann man sie wirklich nicht mitnehmen – aber das war ja auch nicht ihre Zweckbestimmung:  Wie alle Uhren aus dem Hause Swatch tickt sie trotz Quartz-Werk unüberhörbar laut, und bei jedem Pianissimo der Partitur droht sie mit dem Takt des Dirigenten zu kollidieren ;-))

Mehr zum Thema Liftnutzung in Kürze! Das Thema bietet -je länger ich darüber nachdenke-noch einige nette Anekdoten.

Euer Ekkehard „Ekki“ Bechler

 

Ein Gedanke zu „Die Fahrkarten bitte…..Etappen einer Entwicklung (1)

  • 24. April 2017 um 17:44
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    Aber das schöne an der Uhr war ja grundsätzlich dass sie, vom Ticken abgesehen, auch recht alltagstauglich war 😉

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