Die Mohnenfluh-Gondel – ein Zeitzeuge erinnert sich…..

Liebe Leser meiner Berichte

..zu den gegenwärtigen  Zeiten mag ich Euch kaum als „liebe Schifahrer“ ansprechen, denn den meisten von uns bleibt es jetzt (Mitte Februar 2021) nach wie vor verwehrt, die geliebten „Bretter“ unter die Füße zu schnallend und auch die erhoffte „Zielgruppe“ meiner geplanten „gesammelten Werke“ wird sich gegenwärtig kaum finden lassen, denn wo wenn nicht vor Ort in den Hotels, Pensionen und Gasthäusern zwischen Hochtannberg und Klostertal, werden sich Leser für diese ortsbezogenen Erinnerungen und Fakten  interessieren…und da sieht es nach wie vor traurig aus.

Gleichwohl..die Hoffnung stirbt zuletzt, und deshalb ist vielleicht jetzt eine gute Gelegenheit gekommen, eine „echten“ Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen.

Egon. S. (der Name ist mir bekannt, aber ungefragt werd ich ihn nicht preisgeben!) hat sich vor etwa zwei Jahren aus Schweden in einem Kommentar zu einem meiner frühen Blog-Beiträge zu Wort gemeldet, und dann nach etwa einem Jahr kam in einer ausführlichen E-Mail ein Bericht zu seiner Vergangenheit in den Lecher Bergen. Inzwischen sprechen unbestätigte Gerüchte von einem gegenwärtigen Aufenthalt in Kanada – mit dem Vorbehalt, dass es sich dabei möglicherweise auch um seinen ebenfalls in Lech bekannten Bruder handeln könnte! Jedenfalls scheint er in Lech hier und da doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, denn vor nicht ganz drei Monaten erhielt ich von einer  Leserin dieses Blogs den Wunsch, alte Erinnerungen an die gemeinsamen Zeit auffrischen zu können; sie bat mich um eine direkte“digitale Kontaktvermittlung“ zu Egon S.. Nachdem dieser sich im Rahmen eines öffentlichen Blog-Beitrags mit voller Namensnennung an mich herangetreten war, sah ich nach all dem eigentlich keinen Grund, dies zu verweigern – was daraus geworden ist, weiss ich nicht!

Kurioserweise stellte sich aber dann im Zuge im Zuge dieser Korrespondenz und durch Abgleich bestimmter persönlicher Daten heraus, dass ich genau dieser Frau mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal begegnet war. Im Jahr 1977, genauer am Vormittag des 21.Dezember hatte sie wohl als auszubildende Mitarbeiterin des Lecher Frisörs Köb an der dringend erforderlichen Neugestaltung meiner Frisur mitgewirkt. Man ist eben Stammgast!  Der wahre Grund für diese präzise Erinnerung liegt allerdings auf einer etwas anderen Ebene. Es war dies genau der Tag, an dem ich im Oberlehrer Goldenen Berg mittags um 12.00 eine Verabredung mit Hans Finger, dem damaligen Lecher Standesbeamten. Grund; die Eheschließung mit Silke G.E. Petersen ( beiden abgekürzten Vornamen darf ich nicht veröffentlichen!), die von langer Hand und nationenübergreifend vorbereitet war. (Einzelheiten  im Umfeld dieses Ereignisses wurden schon  an anderer Stelle in diesem Blog „offengelegt“)

Über die Beziehung des Egon S. zu Lech und die damalige Atmosphäre in Lech kann eigentlich keiner authentischer  berichten als er selbst und in der Sprache, die sich für ihn nach Jahren in fremder Umgebung nach wie vor mit den Erinnerungen an seine Zeit in Lech verbindet. Daher im folgenden ein Dropbox-link zu einer leicht gekürzte Wiedergabe einer  E-Mail, in der er seine Zeit in Lech beschreibt.

https://www.dropbox.com/s/mrlbqpurlqbdjj1/ESBILTTEXT.png?dl=0

Und wenig später ging es weiter…..

„Grias enk Gott ålle miteinander Weiberleit und månader.
Das tragseil wurde mit einem gewicht von 90 tonnen uber den turm abgespannt. In der Bergstation war Das tragseil mit 5 windungen uber einen in den berg verankerten betoncylinder abgesichert. Die dicke des tragseiles war 58mm. Noch dazu zum sagen wäre Das dass seil auf den abspannturm uber ein rad in Das abspanngewicht eingegossen war. Nachdem Das seil sich mit der zeit gedehnt hat wurde es abgespannt und gekurzt und wieder neu eingegossen. Zur täglichen kontrolle gehörte der aufstieg auf den turm…….Noch bin ich am leben und habe einiges in erinnerung. War im februar auf der mohnenfluh Bergstation mit meiner Tochter. Achtzehn jahre alt war ich dazumal und habe 57 schiefahrer In die gondel hineingepresst. Manchmal waren es 58 oder mer wenn sie zu zweit durch Das drehkreuz durchgewurstelt haben. Aber Das habe ich gemerkt weil nicht alle platz hatten und ich sie nicht mehr zusammenpressen konnte. So Viele lustige erinnerungen…… 10m/sec die höchste geschwindikeit und 0.6m/sec möchte ich noch sagen. Und Das tragseilspanngewicht war 90 tonnen und 58mm im diameter. Und so weiter….. Viele Gruesse von Egon“

Manch einen von uns hat er zu jener Zeit zur Abfahrt nach Schröcken, zum Aufstieg zum Zuger Hochlicht und zur Abfahrt zum Rotschrofen gebracht – meistens ein paar mehr, als der Gondel zugedacht waren , wenn man auf dem Kriegerhorn ihn mal wieder am Drehkreuz erfolgreich ausgetrickst hatte….

Einer seiner Fahrgäste hatte bei der Lektüre dieses Blog eine sehr konkrete Erinnerung
„Erinnerungen am die abenteuerlichen Anfänge meines Skifahrerlebens – der Natur noch wirklich nahe – werden wach: Ich hatte Schiss in diesem unglaublich hoch schaukelnden Gerät, und wäre ich nicht mit jenen wunderschönen Abfahrten belohnt worden, die heute so selbstverständlich „mitgenommen werden „, hätte ich es wohl nicht wieder benutzt…“

Die recht abenteuerliche Technik und Bauweise  der „einsamen“ Mohnenfluhgondel wird deutlich auf einer rückblickenden Bilderserie der LechZürsTouristik unter

https://www.facebook.com/lechzuers/photos/pcb.10159332089663447/10159332073343447

Egons ursprüngliche Lecher „Wurzeln“ -das Haus Wösterblick- findet man auf einer uralten Fotografie

Es war das Haus seiner Tante aus dem Jahr 1597, und das prächtige Gebäude, das  heute an dieser Stelle denselben Namen trägt, ist -wie man hört-in Teilen aus der hölzernen Substanz das alten Gebäudes hervorgegangen. Hier ist wohl gelungen , den Charme des alten Walser-Hauses zu bewahren und den Lecher Gästen zugänglich zu machen.   Traditionelle Vorarlberger Holzbaukunst und der Sinn für die Erhaltung des kulturellen Erbes haben offenbar zu einer  erfreulichen Symbiose zusammengefunden.

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