Die unerfreuliche Geschichte – reloaded

Nun sind  sie also alle geborgen – die vier deutsche Skifahrer (einige von ihnen sogar ausgebildete Skilehrer ?!) vom „Langen Zug“ in Lech, für die offenbar zur Nebensache wurde, was allen anderen an jenem tragischen Nachmittag  ausser Frage stand und nicht die geringsten Zweifel aufkommen ließ. Wie so oft hatte es wohl auch hier geheißen „Strecken- und Liftsperrung, Lawinenwarnungen unübersehbar vom Tal bis zum Gipfel – aber doch nur fürs einfache Skifahrer-Volk…..! Wir kennen uns doch aus !“

Und dann jener Abend und das endlose Warten – kann jemand von uns überhaupt erahnen, welche Furcht, Panik und Hilflosigkeit sich dann breit machen unter denen, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin- und herpendeln? Und wer einmal aktiv an einer Lawinensuche beteiligt war, wird die quälende Ungewissheit auch unter den Helfern nicht vergessen.

Die verunglückten „Variantenfahrer“ waren zu derlei Gedanken jedenfalls offenbar nicht bereit oder in der Lage! Dass es sich dabei um erfahrene Skifahrer handelte,  macht die Geschichte nicht besser, eher schlimmer…

Und wenn dann zu lesen ist, dass eine vierköpfige Gruppe einer Lawine „zum Opfer gefallen“ ist, dann scheint mir die Welt vollends auf dem Kopf zu stehen!
Wo sind denn hier die Opfer?

Nein, nicht begraben unter einer 3 Meter hohen Schneedecke- dort liegen die Täter!
Nein, die Opfer sehe ich in den Familien und bei den Freunden, die jetzt hinnehmen müssen, was sie nicht gewollt haben und nie vergessen werden. Und dazu gehören auch die Helfer, die -so wie jetzt geschehen- nach einer Vermissten-Meldung am Abend  im Scheinwerferlicht auf 2000m bei Schnee und Kälte bis weit nach Mitternacht versuchen müssen, zu retten, was meist nicht mehr zu retten ist … Tonnen von Schnee im Hang über sich, die jeden Moment runterkommen können.

Müssen…. wieso eigentlich „müssen“?
Die vermeintlichen Opfer sind in Wahrheit Täter, deren Ruf nach menschlicher Solidarität (sprich:Rettung)  in diesen selbst verschuldeten Notsituationen zu Recht immer mehr auf  Zurückhaltung, ja inzwischen sogar hier und da auf offene Ablehnung  stößt!

Natürlich -da gibt es die ethisch-moralische Verpflichtungen gegenüber dem Leben jedes Mitmenschen – gewiss! Da gibt es aber auch die Fürsorgepflicht der Retter gegenüber den eigenen Familien und der eigenen Existenz, und  ob der drohende Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung -so der einschlägige Begriff zumindest nach deutschem Recht-  hier eine sinnvolle Entscheidungshilfe liefert…man mag es bezweifeln!  Und die Entscheidungsträger unten im Tal, die vielen Fällen vor der Frage stehen, ob eine Suche nach Verschütteten überhaupt zu verantworten ist….

Den unbestreitbaren Genuss einer Tiefschnee-Abfahrt für sich zu beanspruchen und der Allgemeinheit  die möglichen (und vorhersehbaren!) Risiken und Konsequenzen des eigenen Handelns aufzubürden – das ist „a-sozial“ in des Wortes ursprünglicher Bedeutung…auch wenn es in vielen Bereichen den Zeitgeist zu kennzeichnen scheint.

Ich freue  mich trotz dieser traurigen, aber auch grimmigen Anmerkungen aufs nächste Skifahren – aber ich werde nie mehr den „Langen Zug“ herunterfahren können, ohne ganz kurz an diejenigen zu denken, die hier zu Opfern wurden. Wen ich damit meine, dürfte klar sein – und dazu stehe ich!!

Euer Ekkehard „Ekki“ Bechler

 

2 Gedanken zu „Die unerfreuliche Geschichte – reloaded

  • 18. Januar 2019 um 11:20
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    Hallo Ekki,
    Bin voll und ganz deiner Meinung,die wirklich leidtragenden sind die Hinterbliebenen.

    Antwort
  • 13. Februar 2019 um 16:59
    Permalink

    Hallo Ekki,
    3 der „Lawinen- Opfer“ vom Langen Zug sollen Skilehrer gewesen sein!!!!!
    Kann man solchen Vorbildern Kinder oder Schüler anvertrauen?
    Die führen niemand mehr ins Unglück!

    Antwort

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