Volltanken im „Zürser Täli“

Liebe Arlberg-Freunde!

Nach einer längeren Schnee-Abstinenz hab ich in der vergangenen Woche endlich wieder einmal Bretter unter den Füßen gehabt -zwar zunächst nicht im vertrauten Lech, sondern  in FLACHAU, einem beschaulichen, aber aufstrebenden kleinen Ort nahe Salzburg -nicht allzu hoch, aber dennoch mit ausreichendem Schnee versehen und durch den Anschluss an den Nachbarort Wagrein durchaus unterhaltsam. Immerhin hat Super-Rennfahrer Hermann Maier hier seine ersten Schwünge gefahren.

Inzwischen bin ich aber wieder auf vertrauten Lecher Hängen unterwegs, und morgen geht`s nach Zürs ujnd vielleicht über den Trittkopf nach Stuben, St.Christoph oder St.Anton.

Wie so oft, kamen beim Überqueren des Flexenpasses wieder einmal längst vergessene Erinnerung aus dem Hintergrund meiner Erinnerungen ans Tageslicht. Nicht immer hat es dabei mit dem Ort und seinen Bergen  zu tun, sondern oft sind es auch Personen, die mit ihren Ideen, Kommentaren oder Aktivitäten unauslöschlich mit den nun mehr 50 Jahren in der Region verbunden sind.

Diesmal war es eine unvergessene Episode aus den späten siebziger Jahren, die  mir beim Anblick der abschließenden Schuss-Strecke des Zürser Täli in den Sinn kam, als die Passstraße sich nach vollbrachtem Anstieg in Richtung Zürs zu neigen begann. Ich weiss, ob auch andere Menschen so etwas schon erlebt haben, aber plötzlich hatte ich einen Geruch „in der Nase“ so wie andere plötzlich Melodien aus längst vergangnenen Zeit im Ohr haben: Es schien nach Benzin zu riechen….

Die Geschichte hatte natürlich einen konkreten Hintergrund, und der führte meine Gedanken zurück in die Zeit zwischen 1975 und 1980, als ein bunt gemischter Hamburger Freundeskries -in wechselnder Besetzung, alle so  zwischen 25 und 35 Jahre alt, unabhängig und vollere Optimismus- die Arlberg-Hänge bevölkert hat. Mich als zugereisten Hessen hatte man freundlich aufgenommen, und das Zentrum vieler Aktivitäten war zu jener Zeit das „Sporthotel Goldene Berg“ in Oberlech – damals noch vor Beginn seiner Expansionsphase, dafür aber mit dem unvergleichlichen „Alten Goldenen Berg“ an seiner Seite – einem Haus, das für Silke (damals noch „Petersen“) und mich später einmal zum Standesamt werden sollte.

ZU diesem Kreis gehörte neben vielen anderen auch Beatrice K., zu der noch heute nach all den Jahren der Kontakt nicht abgerissen ist…und untrennbar mit ihr verbunden war ein englisches Automobil  mit   legendärem, wenngleich nicht unproblematischem Ruf: der MINI.

Noch heute erfüllt es mich mit einer gewissen Bewunderung, dass Beatrice mehrfach mit die diesem eigenwilligen und zuweilen störrischen  Produkt englischer Handwerkskunst die Reise nach Lech angetreten hat. (Sogar die Schrauben -so besagten die Gerüchtes- mussten in andere Richtung werden, und der Plus-Pol der Batterie lag angeblich an der Karosserie und nicht an den Versorgungskabeln.) Das Potenzial an Pannen schien jedenfalls unerschöpflich zu sein, und hier mag wohl der Grund gelegen haben, dass zur Bordausrüstung ihres  Fahrzeugs auch ein stets gefüllter Bezinkanister gehörte.

Warum auch immer -Irgendwann während ihrer letzten Reise hatte dieser Kanister jedenfalls seinen Inhalt während der Fahrt über Beatrices Reisegepäck ergossen, und dieses bestand -man reiste ja hanseatisch-stilvoll- aus  einem Seesack!!.

Ab sofort bestand in diesem Fahrzeug naturgemäß Rauchverbot, und trotz intensiver Lüftungsbemühungen waren Seesack samt Inhalt fortan mit einer intensiven Duftwolke umgeben, an die man sich nach einer gewissen Zeit sogar zu gewöhnen schien – jedenfalls wir als ihre ständige Begleiter. Und da fiel es uns gar nicht weiter auf, dass auch die oberste Etage des „Goldenen Berg“ sich allmählich  mit dem Duft von ESSO EXTRA oder ARAL SUPER zu füllen begann. Anders jedoch -so wird berichtet-Hotelier Franz Pfefferkorn, der während der ersten Nacht nach ihrer Anreise  mit sorgenvoller Miene im Obergeschoss seines Hauses die Herkunft der „Explosionsgefahr“ zu ergründen suchte. Immerhin war ja reichlich Holz verarbeitet in dem Haus aus den Dreißiger Jahren.

Beatrice hat vermutlich die Nacht bei offenem Fenster verbracht, und irgendwann war der Spuk zu Ende. Dachten wir, und dabei b lieb es auch über eine gute Woche!

 Und dann kam der Moment, der mir vor wenigen Tagen nach vielen (40?) Jahren auf  der Höhe des Flexenpasses aus heiterem Himmel in den Sinn kam.

Wir hatten zu dritt oder zu viert (Beatrice war dabei!) eine jener schönen  und langen Abfahrten durchs „Zürser Täli“ hinter uns gebracht und standen am letzten Hang oberhalb der Flexenstraße, um noch einmal den Anblick zu geniessen, bevor die lange Schusstrecke nach Zürs beginnen sollte,.

Und dann kam einer jener Momente, in denen man für Sekundenbruchteile zweifelt, ob dies alles, was da gerade geschieht, eigentlich wirklich sein könne oder ob es sich um eine Sinnestäuschung handle:

 Ein wenig  oberhalb von uns hatte ein junges Paar gleich uns  einen beschaulichen Zwischenstop eingelegt, und zu uns herüber klangen die Worte „Vielleicht bild ich es mir ja ein, aber ich finde, hier riecht es nach Benzin!“

Schade, die beiden haben wohl nie erfahren, weshalb diese harmlose Bemerkung ein solch brüllendes Gelächter auslöste.

Vielleicht sind sie ja Lecher Stammgäste geworden und lesen jetzt diesen Blog – es würde mich aufrichtig freuen!

Ski heil! Euer Ekki

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