Menschen am Arlberg(1) : der „Johann“)

Liebe Arlberg-Freunde,

es gibt Menschen, deren Name ist mit bestimmten Orten oder Situationen nahezu untrennbar verbunden. Und dies nicht einmal wegen spektakulärer und einschneidender Verdienste um die Sache! Nein, es ist vor allem die lang anhaltende unaufdringliche und freundliche Präsenz, ohne die manches nicht so wäre, wie es ist….

Es sind oftmals diese „lebenden Institutionen“, die eine Region oder einen Ort liebenswert machen und für den Feriengast ein Stück „Identifikation“ mit sich bringen – für viele vielleicht ein unterschwelliges Motiv zum Wiederkommen. Es ist ja kein Geheimnis, dass viele Lech-Gäste Wiederholungstäter sind

Wer zum Beispiel in Oberlech Sorgen mit seinen „Brettern“ hatte, wusste recht schnell, wo Hilfe zu erwarten war. „Dann geh halt in die „Sonnenburg“ zum Johann – der macht das!“ hieß es dann ganz selbstverständlich.

Schon in den ersten Jahren meiner Arlberg-Karriere war Johann (den Nachnamen Huber kannte kaum einer der Gäste!) für mich rasch zur Institution geworden – egal, ob`s um Leihski, Reparatur oder Wartung ging. An einen bestimmten Vorgang erinnere ich mich besonders gern: Es war zu jener Zeit, als alle Welt versessen darauf war, die neumodischen „Carver“-Ski zu besitzen – egal, ob man damit umgehen konnte oder nicht. Ich dagegen wollte mit dem neumodischen Firlefanz lange Zeit nichts zu tun haben. Nur leider waren meine bisherigen Ski abgängig, und neu „traditionelle“ Ski gab`s im Handel offenbar nicht mehr – ausser bei Johann.

„I hob da noch zwoa Paar- die kannst günstig haben!“ Die Länge passte -200 und 205 cm war zu jener meine gewohnte Skilänge (!!)- und beide Seiten waren zufrieden: Ich hatte 2 Paar Ski zu einem Superpreis, und Johann war seine Ladenhüter los. „Win-Win-Situation“ heisst das heute wohl.

Aber auch Johann hatte seine Grenzen – ich erfuhr dies, als der Vater einer Freundin (seriöser hanseatischer Kaufmann!) nach langen Jahren der Ski-Abstinenz in fortgeschrittenem Alter Mitte der 70er Jahre doch noch einmal auf die Bretter steigen wollte – schließlich hatte er ja noch ein paar top-gepflegte geschnürte Strolz-Schuhe aus feinstem geöltem (!) knöchelhohem Leder mit zwiegenähter dicker Sohle mitgebracht, und Johann solle sich doch bitte mal drum kümmern, ein paar Leihski herauszusuchen – Leihski mit einer zeitgenössischen Bindung wohlgemerkt – damals immerhin schon mit dem legendären dreieckigen Marker-Kopf.

Da musste selbst Johann resignieren, und der Gast dann schließlich auch.

Ob dieser sich schließlich zur Beschaffung zeitgenössischer Schuhe –gekauft oder geliehen- entschlossen hat, ist nicht überliefert. Überliefert ist dagegen die Erinnerung an Johanns verschmitztes Mienenspiel während der Aufklärungsaktion…dabei konnte ihn im Umgang mit seinen Kunden doch so leicht nichts aus der Fassung bringen

Geboren 1938 in Steeg im Lechtal hatte es ihn mit 18 Jahren im Winter als Liftboy nach Lech verschlagen – zuerst am Trittkopf und dann am Kriegerhorn. 1960 dann als angestellter Skilehrer der Skischule Lech, wurde 1963 er nach bestandenen Skilehrer-Prüfungen endgültig in Lech sesshaft als Skilehrer im Winter und Fohrenburg-Verkaufsfahrer im Sommer.

Die endgültige Weichenstellung war dann -nach Heirat, Hausbau und Nachwuchs-  im Winter 1973/74, als die Sonnenburg-Familie Hoch ihm den Betrieb der Ski-Service-Station im ihrem Haus anbot. Die Chance ließ er sich nicht entgehen und mit handwerklichem Geschick und dem nötigen Fleiss konnte er diesen Betrieb ausbauen und 3 Jahre später zum selbständigen Sub-Unternehmer der „Sonnenburg“ werden – eine freundschaftliche Partnerschaft ,die sich bis zum heutigen Tag bewährt hat und heute durch seine beiden Söhne Gerhard und Peter mit der gleichen freundlichen Offenheit und Kontaktfähigkeit weiter gepflegt wird.

„Johann“ ist im April 2016 verstorben und der Sinnspruch auf seiner Todesanzeige hätte nicht besser gewählt werden können.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Menschen am Arlberg(1) : der „Johann“)

  • 27. März 2017 um 15:09
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    Wer kennt ihn auch nicht?

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