Oberlech-wie das alles anfing

Liebe Arlberg-Freunde,

dass meine Vorliebe für den Arlberg und die Hänge rund um Zürs und Lech mit der Seilbahn nach Oberlech ihren Anfang genommen hat, habe ich  ja ganz zu Anfang schon bekannt.

Die Geschichte dieser Seilbahn reicht weit über meine ersten Tage am  Arlberg zurück in die Frühzeit des  Nachkriegs-Tourimus in Lech und Zürs. Erste Hinweise darauf erhielt ich im Februar dieses Jahres in Gesprächen mit Franz Pfefferkorn vom Goldenen Berg und Klaus Hoch von der Sonnenburg. Beide erzählten mir nämlich von den anfänglichen Initiativen aus dem Kreis ihrer Vorfahren, die nach dem 2. Weltkrieg mit Weitblick und Unternehmungsgeist zu der Auffassung gekommen waren, dass eine gedeihliche Entwicklung der Oberlecher Skiregion (und natürlich auch ihrer beiden Hotels) von einem leistungsfähigen Transportmitteln abhängig sein würde-an eine Straßenverbindung war bekanntlich zu jener Zeit noch lange nicht zu denken. Wie so oft war wahrscheinlich die Zahl der  Skeptiker groß genug gewesen, bis Otto Hoch -der Vater des späteren Sonnenburg-Hoteliers- mit einigen Gleichgesinnten die Initiative ergriff und so entstand 1947 ein Unikat unter den Gondelbahnen: Ohne Personal, durch Einwurf einer Münze zum Start und mit einer optionalen Zwischenstation auf halbem Weg   – etwa da,  wo noch heute das ehemalige Wohnaus des unvergessenen Oberlecher Skilehrers „Heini“ Beiser steht, konnte man  frei von obrigkeitlichen Sicherheitsbedenken  aus der Gondel steigen, um sich von dort den Rest des Weges zur „Sonnenburg“ durch den Schnee zum bahnen….

Geahnt hatte ich schon lange, dass es so etwas wie einen Vorläufer der zeitgenössischen Seilbahn an ähnlicher Stelle gegeben haben musste, denn oberhalb des Bergstation der Oberlech-Bahn beim Hotel Burgwald war mir schon immer ein halb verfallenes Haus aufgefallen, das verdächtig nach „Seilbahn-Station“ aussah – von seiner Größenordnung aber bei weitem nicht mit dem vergleichbar war, was wir heute als Seilbahn-Station kennen….

 

                                         heute 2017

und hier ist des Rätsels Lösung:   gestern (1948)

An dieser Stelle ein Wort in eigener Sache: Das nachfolgend gezeigte Bildmaterial entstammt -wo es sich nicht um eigenes Aufnahmen handelt- dem Landesrepositorium bei der Vorarlberger Landesbibliothek.
Die Werke sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Sie dürfen unter diesen Bedingungen weiterverwendet werden.Namensnennung bei Verwendung dieser Bilder: „Foto: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek“
Permalink: http://pid.volare.vorarlberg.at

Und wenn man einmal auf der Spur ist, dann finden sich natürlich recht schnell weitere Hinweise:

 

 

4 Personen war die erlaubte Zuladung der „Sardinendose“- kein Vergleich mit dem, was heutige Gondeln der Oberlechbahn verkraften.

Deshalb war schon 1959 der erste Umbau unvermeidlich, bei dem auf Kabinen mit einem Fassungsvermögen von 25 Passagieren umgestellt wurde -abgesehen von sonstigen technischen Anpassungen, die dabei unvermeidlich wurden. Gepäck wurde nach Gewicht berechnet und Stückgut wurde mit einer Transportgebühr belegt. Und das war wohl die Variante zum Zeitpunkt meiner ersten Begegnung..

1978 dann die nächste unvermeidliche Kapazitätsausweitung : Jetzt kamen 30-Personen-Kabinen zum Einsatz. Bis zu diesem Umbau hatten Gäste ihr Gepäck wiegen lassen müssen und es wurde ein Beförderungsentgelt per kg verrechnet wurde. Zudem wurde für Stückgut eine Transportgebühr verlangt.  Die nächsten sichtbaren Neuerungen waren  dann schließlich der Ersatz des Mittelbahnsteigs durch einen Schiebebahnsteig (1995) und die Überdachung der Vorplatzes der Talstation  durch eine Glas-Stahlkonstruktion (2007) .

Den spektakuläre Ausbau der Lecher Seilbahnszene in der Saison 2016/2017 machte dann auch vor der Oberlechbahn nicht halt.  Abgesehen von spektakulären Baumaßnahmen in Berg und Tal verschwand auch die liebgewordene „Tabaksdosen“-Gondel ,welche die Gondel in  Farbgebung und Gestaltung in unübersehbare Nähe zu einem berühmten Produkt des Hauses Dunhill rückte.

 

Der Erbauer dieser Seilbahnkabine muss Pfeifenraucher gewesen sein!

Ihre Spuren verloren sich dann zunächst auf dem Parkplatz eines Lecher Hotels, wo ich eine von ihnen dann im Oktober 2016 entdeckte.Nach neuesten Feststellungen (23.3.2017) hat sie sich inzwischen äusserlich und innerlich verändert -mit glänzender Alufolie beschichtet ist sie nun zu einer „Tabaksdose“ in einem ganz anderen Sinn  geworden: mit kleinen Sesseln und 2 Tischen dient sie nun nun offenbar als Raucherlounge des benachbarten Hotels

 

Zum Thema Oberlech-Bahn gibt es auch sonst noch noch das eine oder andere zu erzählen -aber darüber später mehr. Ein kurzer Überblick über die historische Situation nach dem Ende des 2. Weltkrieges mag jedoch schon an dieser Stelle hilfreich sein:

Die anfängliche 4er-Sardinendose war zweifellos der sichtbarste Beitrag  zur logistischen Erschließung der Parzelle Oberlech. Aber daneben spielte aber auch eine andere technische Einrichtung mehr im Verborgenen eine Rolle -vor allem beim Materialtransport , als Oberlech sich immer mehr zu einem „Geheimtip“ unter den skibegeisterten Touristen entwickelte: Zement, Holz, Steine – kurz Baumaterial jeder Art musste in großen Mengen nach oben geschafft werden – und dies wohlgemerkt ohne Straßenverbindung! Bis in  die siebziger Jahre  existierte daher eine unscheinbare elektrische Drahtseil-Transportbahn, über die zuweilen auch Gepäckstücke (speziell für den Goldenen Berg) nach oben befördert werden konnten. Überreste waren für Eingeweihte -so hieß es-bis in die jüngste Zeit noch erkennbar und zeugten von der ursprünglichen Initiative der Anwohner.

Auch ich hatte diese Gondel genutzt: Sie hatte mir unter anderem zu meinen ersten Aufenthalt im Goldenen Berg verholfen-damals „aus Kostengründen“ noch im 1.Stock des historischen Bauernhauses für 280 öS einschließlich Etagendusche, Frühstück und Abendessen.

Im 1.Stock – das war in mancherlei Hinsicht so gut wie in der Gaststube darunter: kein Gespräch in der Gaststube blieb angesichts der dünnen Holzdecke ungehört – so wie auch der Duft des schon damals beliebten „Fondue bourguignonne“ allgegenwärtig war. Also blieb man doch am besten gleich unten, bis der letzte Gast gegangen und das letzte Bier getrunken war!

Jedenfalls: In einem kleinen Holzschuppen unten  im Tal links neben der Straße auf halbem Weg zwischen der „Landbrugg“ und dem heutigen Feuerwehrhaus  hing an der Wand eine einfache Signaleinrichtung, mit der die  Transportgondel angefordert werden konnte. Man möge nur guten Mutes alles dorthinein legen! Und dann entschwand unser Gepäck in unbekannte Höhen nach oben – durch den Tobel hinauf bis zur sog. „Bergstation“ –  irgendwo vorbei am Haus vom „Hosen-Handl“ (heute „Pension Diola„) und dem Wohnhaus meines späteren Skilehrers Edi Wolf (..bis zur „2a“ hatte ich`s unter ihm gebracht…!) Und alles tauchte dann tatsächlich im Lauf des Tages wohlbehalten im Goldenen Berg auf, als meine damalige Freundin und ich mit der „offiziellen“ Bahn oben angelangt waren.

Ja – und an dieser Stelle wollte ich für heute eigentlich schließen und beim nächsten Mal mehr erzählen von all dem, was ich rund um diese Seilbahn so alles erlebt habe…

Aber halt: Auf dem Rückweg nach einer ausgedehnten Flexen- und Albona-Tour ins inzwischen vertraute Formarin (wir schreiben den 24.3.2017) fiel mein Blick zum tausendsten Mal auf jene kleine Holzhütte gleich neben dem Wohnhaus von  Edi Wolf (dem bereits erwähnten Skilehrer aus früheren Tagen) und urplötzlich war mir klar: Dies musste die „Bergstation“ jener Gepäck-und Materialbahn sein, die mir ganz am Anfang meiner Lech-Karriere beim Gepäcktransport behilflich gewesen war. Eine nähere Betrachtung und vor allem die noch sichtbare Schiebetür der Eingangsöffnung an der Vorderseite bestätigten dann die Vermutung:

Also wieder ein Mal : back to the roots…die Vergangenheit holt Dich immer wieder ein…

Bis demnächst bin ich wie immer Euer Ekkehard „Ekki“ Bechler

 

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