Lifte und (ganz besondere) Leute….

Hallo Skifreunde,

ganz am Anfang, als ich anfing,  Beiträge für diesen Blog zu schreiben, habe ich einmal erwähnt, dass ich ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen habe, dem die Gedanken und Informationen in diesem Blog dienen sollen: Im kommenden Jahr ist  es tatsächlich 50 Jahre her, dass ich mit dem Arlberg im Allgemeinen und mit den Bergen rings um Lech/Zürs im Besonderen Freundschaft geschlossen habe. Zu diesem Zeitpunkt  im Frühjahr 2019 will ich -wenn`s klappt- einen ganz persönlichen Rückblick veröffentlichen aus der Sicht des Gastes, der  diese 50 Jahre genossen hat und aus seiner Biografie nicht streichen möchte. Nicht nur Erlebtes will ich weitergeben, sondern auch die Kenntnis mancher Fakten und Hintergründe, die sich ich mit der Region um Rüfikopf, Kriegerhorn und Trittkopf verbinden,

Ein solcher Versuch soll und kann natürlich nicht in Konkurrenz treten mit den zahlreichen kunstvoll gestalteten Internet-Seiten der Hotels -ich denke dabei an die sehr herzlich und persönlich gestaltete Seite des „Lorünser“ in Zürs-  und die Präsentationen der Tourismus-Organisationen mit den aufwendigen, reich bebilderten Hochglanz-Publikationen, mit denen der Arlberg und seine Akteure sich ins rechte Licht zu setzen versuchen.  Dass da wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, ist klar und in Grenzen auch unverzichtbar, und man muss ja nicht alles mögen, was da an Highlights, Events   und Kunstgenuss angepriesen wird – wer Ischgl kennt, weiss, wie schnell da die Schmerzgrenze zum „Ballermann“ des alpinen Skilaufs  überschritten wird.

Einen wesentlichen Anstoß, dieses nachträgliche Tagebuch zu planen, habe Menschen geliefert – Menschen wie Du und ich, aber jeder mit einem Funken „Besonderheit“ in seinen Ideen, Fähigkeiten und Leistungen.

Diesen Menschen ist der eingangs abgebildete Bildband gewidmet unter dem Namen „Lebensbilder und Erinnerungen von Lecherinnen und Lechern“ – herausgegeben vom Gemeindearchiv Lech im Dezember 2012. Der Allgemeinheit zugänglich ist dieser Band mit seiner Auflage von 1000 Exemplaren leider nicht (mehr) . Meine persönliche Verbundenheit zur Familie einer der abgebildeten Personen hat mich in den Besitz dieses Buches gebracht lange bevor meine Idee „des nachträglichen Tagebuches“ zu wachsen begann.  Viele Anregungen sind später hier entstanden, und manches vertraute Gesicht taucht hier auf.

 Zu denen, die ich persönlich kennenlernen durfte, gehört Heinrich Walch – ein Mann, der gegenwärtig in aller Bescheidenheit zurückblickt auf die Entwicklung des Gemeinde Lech vom Bergbauern-Dorf zum weltberühmten Symbol des alpinen Skilaufs. Er hat sie in vollem Umfang des Wortes persönlich „gelebt“ und sein Bild auf dem Umschlag des Bildbandes ist ein angemessener Platz

Beim Schreiben dieser Zeilen (Sommer 2018) ist er mit fast 96 Jahren der älteste Lecher Bürger. Es war ein reiner Zufall, dass ich  Gelegenheit hatte, ihn in seinem Alterssitz im Lecher Ortsteil Zug besuchen zu können.  Eigentlich war ich nach einem Morgenspaziergang zum Zuger Fischteich schon auf dem Heimweg,  als ich vor einem der Bauernhäuser am Wegesrand eine stattliche Anzahl von Kuhglocken an reich verzierten Halsbändern entdeckte, die es offenbar zu reinigen galt. (Der  scherzhafte Vergleich dieser Szene  mit den Auslagen des ortsansässigen Juweliers durch ein humorvoll-schlagfertiges  Mitglied der Lecher Lift-Prominenz sei hier nur angedeutet…Kenner werden wenig Zweifel über den Ursprung haben,)

Die nachfolgende Unterhaltung mit der augenscheinlichen Bewohnerin des Hauses (ich erfuhr von ihrer Rolle und ihren Aufgaben als Pflegerin des Eigentümers natürlich umgehend!) ergab dann nach einer Weile, dass hier einer jener „Zeitzeugen“ zu Hause war, die ich für mein „nachträgliches Tagebuch“ schon seit einer ganzen Weile suche.

Herbert Walch -ältester Repräsentant der in Lech, Zürs und Warth weit verbreiteten Familie Walch und zugleich ältester Bürger der Gemeinde Lech, war hier zuhause, und der Vermittlung seiner fürsorglichen Pflegerin verdanke ich es, dass ich am nächsten Tag mit ihm ein Gespräch über sein Erinnerungen führen durfte.

Die Weggefährten der dreißiger Jahre kamen -nach einer kurzen„Anwärmphase“des Gesprächs -rasch in seine Erinnerung zurück, und dass er von denen einer der Letzten war, schien ihn nicht weiter zu erschüttern. Zudem wurde im Lauf des Gesprächs recht deutlich, dass er das Geschehen in seine näheren und weiteren Umgebung noch immer durchaus mit kritischen Augen betrachtet und dass ihm da längst nicht alles gefällt…..

Mancher Kommentar, der da mit zuweilen schwacher Stimme vorgetragen wurde, ließ zumindest für den Kenner der Szene Hintergründe erahnen…

Eindrucksvoll auch seine Erinnerungen an die Frühzeit des Skitourismus nach dem zweiten Weltkrieg, die in dem Eingangs erwähnten Bildband schildert. Als Taxifahrer für die Zürser „Alpenrose“ war er oft zwischen Bahnhof Langen und Lech unterwegs gewesen und im Jahr 1952 – so berichtet er- musste er erleben, dass am Flexenpass kurz hinter ihm ein vollbesetzter Postbus von einer Lawine ins Tal gerissen wurde. „Von Langen nach Zürs brauchten wir an jenem Nachmittag exakt sieben Stunden“ 23 Todesopfer galt es zu beklagen! „Als wir in Zürs ankamen, erfuhren wir, das der Postbus hinter uns von der Passürtobel-Lawine erfasst und in die Alfons geschleudert worden.“ (Es gibt also offenbar Lawinen, die kommen jedes Jahr – nur keiner weiss, wann!)

Heinrich Walch auf dem Umschlag des eingangs genannten Bildbandes – ein Zeitzeuge!

Und ein Kompliment an die Herausgeberinnen des Bandes für die einfühlsame Auswahl und Kommentierung der Bilder.

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