Lifte und Leute – einmal ganz persönlich…

Lifte und Leute …einmal ganz persönlich!

Keinen wird verwundern, dass nach den rund 50 Jahren, in denen es mich -und später dann auch meine Familie- immer wieder an den Ort früherer Erinnerungen und Erlebnisse zurückgeführt hat, sich auch einige sehr persönliche Gedanken im Kopf eingenistet haben

Dazu gehört sicher die Erinnerung an die Eheschließung vor dem örtlichen Lecher Standesbeamten, die wir 1977 von langer Hand vorbereitet hatten….mit all den Begleitumständen, mit denen keiner gerechnet hatte.

Man bedenke: die EU-Mtgliedschaft der Alpenrepublik lag 1977 noch in weiter Ferne, aber neben all dem Unsinn, den die EU-Bürokratie in Brüssel seither produziert hat und noch immer Tag für Tag hervorbringt, gibt es doch immerhin zumindest eine erfreuliche Errungenschaft:

Es ist  heute ohne große adminstrative Hürden möglich ist, in Lech zu heiraten, ohne -wie wir damals- zermürbende und zeitraubende Umwege über das Standesamt Wien und ähnliches  in Kauf nehmen zu müssen.
Wenn ich gegenwärtige aufmerksam das Geschehen in den Lecher Hotels betrachte , hab ich fast das Gefühl, als Trendsetter (heute auf Neu-Neu-Deutsch „Influencer“) für einen Lecher Hochzeits-Tourimus gewirkt zu haben, der dem Aufenthalt in Lech eine ganz neue charmante Seite abzugewinnen vermag.

Am 21.12.1977 -kurz vor der längsten Nacht des Jahres(!)- war für uns jedenfalls die Gaststube im Lechs ältesten  Haus -dem „Alten Goldenen Berg“- reserviert, und pünktlich um 12 Uhr mittags erschienen die Beteiligten – Silke (damals noch „Petersen“) und ich- jeder im zünftigen Skidress und mit eleganten Schwüngen vom Petersboden her, und der Standesbeamte Fenner im würdigen Trachtenanzug vom Tal her aufsteigend.
Die von Norden angereisten Trauzeugen und Familienmitglieder warteten schon mit dem obligatorischen Glas Sekt in der Hand auf den feierlichen Moment! Dass der gute  Herr Fenner dann am späten Nachmittag beim Abschied seinen Hut verkehrt herum ausgesetzt hat, blieb hinterher bei allen Beteiligten unbemerkt und spricht für einen fröhlichen Verlauf der Feier.

Dabei sah im Detail zunächst nicht alles feierlich aus, denn:
Mein Gesicht ließ eher auf grobe Misshandlungen schließen….

Grund:  Zwei Tage  zuvor -kurz vor Silkes Anreise per Bahn nach Langen- hatte es mich im unteren auslaufenden Bereich des Petersboden-Hangs so richtig schön „zerrissen“ – auf einer Eisplatte, mit dem Gesicht in den Schnee, und dann (nach glaubhaften Berichten) mit 4-5  Minuten  „Blackout“…da blieb nach dem Erwachen wohl nur der geordnete Rückzug ins Hotel, um die Spuren zu besichtigen und -wenn möglich- zu beseitigen. Die Gesichter der Umstehenden zeugten indessen -was dieses Vorhaben betraf- eher von Skepsis und ließen irgendwie nichts Gutes ahnen, irgendeiner der neugierigen Zaungäste murmelte auch etwas von „commotio cerebri  (was ich wohl verstand, aber vorsorglich als „Wichtigtuerei“ abtat) und es war bestimmt eine glückliche Fügung, dass offenbar keiner der Anwesenden in der Lage (oder bereit…?) war, mir einen Spiegel vorzuhalten…mehr sag ich nicht dazu! Noch leben Zeitzeugen in ausreichender Zahl….

Waltraud Beiser vom „Salome“, bei der ich unser Hochzeitszimmer gebucht hatte, schien es jedenfalls für angemessen zu halten, mich in ihrem VW Scirocco zum örtlichen „Doktor“ ins Tal zu befördern. Die Oberlech-Straße war zum Glück gerade schneefrei, denn das Tunnelsystem bestand ja zu jener Zeit erst in den Köpfen vorausschauender Planer…

Der örtliche Medizinmann sah das Ganze dann eher gelassen, abgehärtet von  jahrezehntelanger Erfahrung  mit Bergunfällen jeder Art und Güte,   und er beschränkte sich -abgesehen von der eher beiläufigen Frage nach eventueller Übelkeit und Schwindelgefühlen- auf eine Wundreinigung im Bereich der Stirn und der rechten Wange, die höllisch brannte, und auf einen zuversichtlichen Hinweis auf die Selbstheilungskräfte der Natur. Die Frage nach den Anzeichen einer Gehirnerschütterung hatte ich jedenfalls auch hier vorsorglich überhört…

In meinen späteren Lecher  Jahren erfuhr ich dann, dass unter anderem spektakuläre Heilerfolge bei verunglückten Rindern und Pferden ihm einen guten Ruf  in der örtlichen Bevölkerung verschafft hatten.

Gestärkt durch so viel Optimismus stellte ich mich dann auch den Ereignissen, die da in den fogenden Tagen auf mich zukommen würden. Und was Gucky und Franz Pfefferkorn da für uns arrangiert hatten, war Gastfreundschaft pur und nach unserem Geschmack  – soweit ich es in Erinnerung habe! Denn:
Nach dem zweiten  Bier begannen meine Augen zu schielen und Bilder doppelt zu sehen, und nach dem dritten Bier erzählte ich die Einzelheiten meiner Unfalles unaufgefordert zum zweiten (und notfalls auch zum dritten) Mal…und das blieb im Prinzip so über mehrere Jahre!

Spätfolgen einer übergangenen Gehirnerschütterung? Eine genauere nachträgliche Erforschung könnte hier eines Tages vielleicht den Begriff „morbus Schwendinger“ in Gedenken an den früheren Lecher Gemeindearzt Dr.Schwendinger in die medizinische Literatur einführen oder das „Bechler-Syndrom“ als Krankheitsbild…aber es ist vergessen und überstanden. Lediglich spitzfindige Juristen sprechen heute noch hier und da (aber wohl eher scherzhaft) von Anfechtbarkeit, anfechtbarer Willenserklärung und ähnlichen Dingen. Für mich gilt da aber  nach all den Jahren:  Einfach gar nicht ignorieren…;-

Nur eines schwör ich bei allem, was mir heilig (oder notfalls auch „scheinheilig“) ist:
In den rund vierzig Jahren, die danach kamen (und ich hoffe es werden noch ein paar mehr..) gab es kein einziges Mal, an dem ich „Unfallstelle“ mit ihren drei Tannen oberhalb vom „Goldenen Berg“ passiert habe, ohne an jenen „Ausrutscher“ zu denken … wahrscheinlich muss ich mich da noch ein zweites Mal voll auf die Schnauze legen, bevor dieses Trauma von mir gewichen ist. Na ja .. auch hier gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Euer Ekkehard „Ekki“ Bechler

 

 

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