Lifte und Leute…vom Gast zum „Beinahe“-Insider

Lifte und Leute: Vom Gast zum „Beinahe“- Insider

 

Nach so vielen Jahren unter einem Dach mit Lecher Freunden, die inzwischen mehr als nur unsere „Wirtsleute“ für einige Wochen im Winter und dann auch im Sommer geworden waren, ist es nahezu unvermeidlich, dass man auch die gegenseitigen Sorgen und Nöte zu spüren bekommt.

Und wenn dann ein fröhliches „Guten Morgen“ beim Frühstück nicht ganz so überzeugend klingt, dann fragt man schon einmal vorsichtig nach den Hintergründen.

Auf diese Weise hat sich dann Mitte der neunziger Jahre eine Geschichte entwickelt, die mich noch heute zu einem zufriedenen Grinsen veranlasst, obwohl der Anlass eher ärgerlich war.

Konkret: Es ging um einen ungedeckten Scheck über 1000.-DM( DM!! – as time goes by!) , den eine Berliner Zahnärztin nach ihrer Abreise hinterlassen hatte, und der nach vorübergehender Gutschrift auf dem Konto unserer „Wirtin“ Anni Beiser vom Astoria in Oberlech „rückbelastet“ worden war…ganz offensichtlich  in dem Vertrauen darauf, dass ein grenzüberschreitendes Mahnverfahren für die unerfahrenen Lecher Wirtsleute zu kompliziert und zudem  so teuer und umständlich sein würde, dass die man die Angelegenheit dort wohl zu den Akten legen würde.  Die Begleitumstände (falsche Anschrift etc.)  sprachen jedenfalls eine eindeutige Sprache…

Aber weit gefehlt! Es gibt so etwas wie „Jagdinstinkt“, und der ließ bei mir nach kurzem Nachdenken einen Schlachtplan reifen! (Nachdenken hilft bei mir fast immer , wenn ich ausreichend motiviert bin…)

„Pass auf, meine liebe Anni, Du wirst mir jetzt Deine Forderung gegen diese Person schriftlich abtreten , und ich werde nach meiner Rückkehr von Hamburg aus beim Amtsgericht Berlin einen Mahnbescheid beantragen. Und dann warten wir mal ab …!“
Der Schriftsatz war schnell entworfen und gedruckt.

Anni verstand sofort, und willigte ein. Damit gehörten die 1000.- DM, so sie denn jemals fließen würden, zunächst mir! Aber sehr groß war das Vertrauensrisiko für die Lecher Freunde nicht -immerhin standen seit Jahren 4-5 Paar Ski und  all unsere  Strolz-Schuhe das Jahr über zur Aufbewahrung im Skistall, und allein deren Wiederbeschaffungswert war deutlich höher als die streitige Summe! Und:  darüber dachte eigentlich keiner wirklich nach.Es gibt halt Dinge, die sind eben so wie sie sind und man kann sie nicht erklären . (In der Mathematik nennt man so etwas Ähnliches ein „Axiom“..)

Wie ich es erwartet hatte, kam es dann auch: Dem Mahnbescheid wurde widersprochen. Zunächst ohne Begründung, und dann trotz meines Widerstandes  mit Hilfe eines fotokopierten Hinweis auf die Abbuchung des Schecks vom Konto der Übeltäterin. So ganz nach dem Prinzip: Was ich denn eigentlich wolle- es sei doch alles bezahlt.

Dass mich das nicht wirklich interessieren musste, war der Dame trotz der rechtsgültigen und unangreifbaren Abtretung völlig entgangen.

Aber wer lesen kann, ist klar im Vorteil, und so stellte ich schnell fest, dass zwischen der vorübergehenden Gutschrift in Österreich und der Rückbelastung auf dem Lecher Konto 5 Tage vergangen waren…da lag also die Erklärung für die scheinbare und vorübergehende(!) Einlösung des Schecks!

Der Rest war formale Routine, und es kam dann tatsächlich  zu einem Termin für die mündliche Verhandlung vor einem der Berliner Amtsgerichte….

Man hätte natürlich spätestens an dieser Stelle die Frage stellen können, ob sich Reisekosten etc.  angesichts einer möglichen echten oder angeblichen Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin lohnen würden, aber nein…das Spiel wollte ich nun auch bis zum Ende spielen, und zwar nach MEINEN Regeln! Das dumme Gesicht bei meinem Erscheinen wollte ich sehen…

Ich war dann also tatsächlich einige Wochen später gerade dabei, mein Büro in Richtung Bahnhof  „Hamburg-Dammtor“ zu verlassen, um nach Berlin zum besagten Termin zu fahren, da kam in letzter Minute  ein Anruf: Der Termin vor dem Amtsgericht um 13 Uhr sei aufgehoben und die Forderung sei durch Einzahlung beim Gericht beglichen!

Na bitte, es geht doch..man muss nur wollen 😉

Da hab ich es mir dann auch nicht nehmen lassen, das erkämpfte Geld  bei nächster Gelegenheit in bar im Astoria abzuliefern – diesen Triumph wollte ich auskosten bis zum letzten…Der Champagner am Abend war lecker, aber die Zufriedenheit ob des errungen Sieges über mieses menschliches Verhalten und die Loyalität gegenüber Freunden waren viel mehr wert. Manche Dinge müssen eben so sein, wie sie sind, und das ist auch gut so!

Ich wollte in diesem Beitrag eigentlich nur von meinem grenzüberschreitenden Mahnverfahren und dem „Sieg“ vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg berichten. Gab es für mich einen Nutzen aus dieser Geschichte– es hat mich nie interessiert, und ich habe auch nie über eine erhoffte Gegenleistung nachgedacht. Sie kam dennoch in unerwarteter Form, als ich damit nicht im Entferntesten rechnete..

Es war am Vorabend eines Termins vor dem Oberlandesgericht Frankfurt, der das positive Ende eines merhjährigen Kampfes sein konnte, oder aber auch das Gegenteil.Da fand ich am Abend vor meiner Fahrt nach Frankfurt  ein Fax in meinem privaten Büro – ein Fax, dessen Inhalt  mich tief berührte:

„Ich bin heute runter ins Tal gefahren, und hab in unserer Dorfkirche eine Kerze für Dich angezündet – damit morgen alles gut geht!“

 

Ich bin nie gläubig gewesen und wäre im umgekehrten Fall nie auf eine solche Idee gekommen – aber ich hatte nicht die geringsten Zweifel, dass diese Kerze in der Dorfkirche tatsächlich brannte.

Lange hab ich darüber nachgedacht, und mehr muss ich wohl nicht sagen zum Thema Solidarität, Loyalität und Gegenleistung – auch dies eine Variante des Themas „Lifte und Leute“

Euer Ekki

 

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