Lifte und Leute – nicht nur erfreulich

„Lifte und Leute“ am Arlberg …heute: eine eher unerfreuliche Geschichte

Eigentlich schien es endlich wieder einmal ein ganz normaler Winter zu werden, wenn man die Schneesituation der jüngeren Vergangenheit als „anomal“ in Erinnerung hat, also als (ohne den „technischen Schnee“ !) ungewöhnlich schneearm und somit ski-unfreundlich – auch wenn die Arlberger nie wirklich klagen konnten.
Rechtzeitig zum Beginn der Saison schien dagegen dieses Jahr die Schneeversorgung „in trockenen Tüchern“ zu sein. Was dann kam, war natürlich manchen dann doch ein wenig zu heftig!

Ich will die einschlägige Diskussion um den Klimawandel in den  Skigebieten nicht um einen weiteren Beitrag ergänzen – da gibt es kompetentere Stimmen. So zum Beispiel „Schneepapst“ Michael Manhart -das Oberhaupt der Lecher Skilifte-, der manche Hiobsbotschaft der vergangen Jahres durch eine trockene und vorurteilslose Analyse  der Fakten vieler Jahre zu relativieren vermag, oder auch -aus einem ganz Blickwinkel – Herbert Jochum (Jahrgang 1920)  vom Zürser „Lorünser“, einer der Zeitzeugen des beginnenden Skitourismus am Arlberg.

Dass Lech und Zürs zur der Zeit, als diese Zeilen entstehen, zumindest per Straße nicht erreichbar sind, kann ihn nicht erschüttern – zu oft hat er es in den Zeiten als Chef des „Lorünser“ erlebt, und abgesehen  von denen, die aus- oder einreisen wollten, hat es eigentlich nie dramatische Folgen gehabt. Sein aktueller Kommentar im österreichischen Fernsehen war jedenfalls wohltuend entspannt. Die Bier- und Schnapsvorräte waren ohnehin stets reichlich, und allenfalls Michi Manhart -so heißt es- hätte im schlimmsten Fall um den Bestand seiner schottischen Hochland-Rinder im Stall des Schottenhofes oberhalb des ehemaligen „Schlössle“ in Oberlech fürchten müssen…aber so weit ist es natürlich nie gekommen.

Doch es gibt auch leider ganz andere Aspekte dieses „schneesicheren“ Winters. Ungewöhnlich hoch ist (nicht nur am Arlberg) die Zahl der dramatischen Ski-Unfälle in diesen schneereichen Wochen seit Weihnachten, und es macht schon ein wenig beklommen, wenn man diese Zahl näher unter die Lupe. Das Muster ist auffallend gleich: „selbst losgetreten“ , „gesperrtes Gebiet“ , „Warnungen missachtet“ – das sind die Standard-Vokabeln, die dann zu lesen und zu hören sind.  Hinzu kommt, dass der Trend zum Varianten-Fahren“ -nicht zuletzt unter en Snowboardern- zunimmt!

Da mischen sich Erschrecken, Trauer um die Opfer, Sorge um die Gefahren für die ehrenamtlichen Retter und Helfer mit ….ja, ich sag es ganz ehrlich..mit einer Portion Wut über die Ignoranz, Selbstüberschätzung und Leichtfertigkeit derer, die immer wieder trotz aller schriftlichen Hinweisen, der sichtbaren Barrieren und sogar mündlichen Warnung in gesperrtes Gebiet einfahren und dann mit schöner Regelmäßigkeit den Lawinen zum Opfer fallen.

Die Betroffenheit ist natürlich am größten, wenn man -so wie jetzt am „Langen Zug“ in Lech- den Ort des Geschehens selbst aus vielfacher eigener Anschauung kennt.

Die eigentlichen Opfer sind indessen die Angehörigen und Hinterbliebenen – deren Leid, Schmerz und Trauer muss unermesslich sein…!

Und wie so oft in solchen Fällen erklingt prompt die Frage nach eventuellen Verantwortlichen unter Liftbetreibern oder Pistendiensten – es scheint fast, als sei eine Vollkasko-Mentalität und Flucht aus der Eigenverantwortung des Individuums ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen unserer Zeit zu werden. All zu leicht werden dann Verantwortliche gesucht und -auf den ersten Blick auch gefunden- ohne die Tatsachen ergründet zu haben.

So zum Beispiel beim bedauerlicher jüngsten Skilift-Unfall eines Kindes am „Bödele“  nahe bei Lech (dem Kleinen-so heißt es- geht’s inzwischen zum Glück wieder gut!)
Sehr deutlich wird da öffentlich von den (begründeten?) Vorwürfen des Vaters gegen die Liftgesellschaft berichtet, und nur im „Kleingedruckten“ wird auch ein möglicher Fehler auf Seiten der Benutzer für möglich gehalten – ganz nach dem Motto „Erst mal sehen, ob ein anderer Schuld hat…!“

Diese Neigung zur kurzfristigen Flucht vor der eigenen Verantwortung als spontane Reaktion mag menschlich sein und sie ist wohl auch im Spiel, wenn
offenbar „Fahrerflucht“ mit zunehmender  Häufigkeit das Geschehen auf den Skipisten bestimmt. Allein aus Lech sind mir in diesem Winter drei folgenreiche Fälle berichtet worden.

Meine Konsequenz: Defensives Fahren auf öffentlichen Pisten, das Fehlverhalten anderer vorhersehen (diese Fähigkeit ist eine der Lektionen aus meinen 50 Jahren am Arlberg!) – und:  wer Hirn hat, schützt es! Daher nie ohne Helm..

So viel für heute!

Ekkehard „Ekki“ Bechler

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