Erstaunliche Informationen und ein eindrucksvoller Abend!

Liebe Arlberg-Fahrer,

es ist jetzt etwas mehr als eine Woche her, dass ich zuletzt an den Arlberg gereist bin – diesmal bewusst ohne Ski (die lagern sowieso meistens „vor Ort“),  und das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man dorthin fährt in dem Bewusstsein, dass der Anlass der Reise diesmal ausschließlich (und auch beim letzten Mal schon nur teilweise) anderen Interessen -nämlich dem Wunsch nach mehr Informationen über „Lifte und Leute“- entstammte, und nicht dem Wunsch, die Arlberg-Hänge zu genießen. Da kommt so etwas auf wie „man gehört irgendwie ein bisschen dazu…..“ und „man hat dort etwas zu tun…“ – man kann auch von einer Art Heimatgefühl sprechen.

Am 6.April – so hatte man mir bei meinem letzten Besuch während des SCA-Stammtisch in Stuben angekündigt – würde das 60jährige Jubiläum der Albona-Bahn gefeiert. Und da ich zu einigen Personen aus diesem Umfeld inzwischen in persönlichem Kontakt stand, lag es nahe, hier nach neuen Ideen für meine Berichte zu suchen. Und tatsächlich, da gab es so einiges , was der skifahrende Stuben-Gast so nur selten zu hören und zu sehen bekommt. Aber darüber will ich eigentlich erst beim nächsten Bericht etwas erzählen.

Der  25.März -also mein vorletzter Arlberg-Besuch- war immerhin noch mit einem Tag Skifahren verbunden, aber gelohnt hat es sich vor allem aus anderen Gesichtspunkten:

Im Huber-Hus konnte ich am Abend des 24.3. einen Vortrag erleben, der meine Erwartungen um Längen übertraf.

Der Prozess gegen die Enteignung der Skilifte Zürs-Lech 1941-1943“ -eigentlich ein eher trockenes akademisches Thema- war war Gegenstand eines beeindruckenden Vortrags der 18-jährigen Maturantin Anna Eggler, der im Verlauf ihrer Matura-Vorbereitungen entstanden war. (Für meine deutschen Leser: die „Matura“ ist das, was wir in Deutschland „Abitur“ nennen -aber als Arlberg-Gast weiss man das wohl…?!)

Sie behandelte einen Gesichtspunkt, der dem Einblick der Öffentlichkeit bis dato offenbar weitgehend entgangen war und der um so nachhaltigeren Eindruck bei den Zuhörern hinterließ.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand das Bestreben der damaligen Machthaber, den aufkeimenden Wirtschaftszweig „Skitourismus“ unter ihre Kontrolle zum bringen – ohne Rücksicht auf bestehende Rechtslagen oder gar  wirtschaftlichen Sinn – ein Machtanspruch, dem einige der Gründerväter des aufkeimenden Liftbetriebs sich mit Überzeugung (und letztlich auch mit gutem Grund und Erfolg!) widersetzten. Dass damit erhebliche persönliche Risiken und Gefahren verknüpft sein würden, können wir uns aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellen – einzig die Zeitzeugen, von denen einige erfreulicherweise noch unter uns weilen, mögen dies ermessen. Herbert Jochum im „Lorünser“ in Zürs und einige andere haben mir in den vergangenen Wochen in dankenswerter Weise  als Gesprächspartner zur Verfügung gestanden. Auch die Nachfahren der damaligen Akteure -unter Ihnen „Mister Skilift“ Michael Manhart als Spross der damals involvierten Familie Bildstein- waren vertreten und rundeten den Bericht  mit Kommentaren ab.

Anna Eggler hat dieses Thema mit seinen komplizierten juristischen und verwaltungstechnischen Einzelheiten in bewundernswerter Weise „in den Griff“ bekommen und mit einer charmanten Eindringlichkeit vermittelt, die eigentlich nur eines Kommentars bedarf: Der Vortrag musste auf vielfachen Wunsch eine knappe Woche später wiederholt werden!

Angesichts der souveränen Beherrschung des in den 40er Jahren politisch und auch juristisch äußerst sensiblen Themas :  Hut ab, Anna! Ich hoffe, es findet sich möglichst bald ein Weg, das Ergebnis Deiner Recherchen einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Sicherlich  ahnten die Zuhörer  am Ende dieses etwa einstündigen Vortrags, in welche persönlichen Risiken der Kampf um die rechtliche und wirtschaftliche Selbständigkeit des gerade erst aufkeimenden Liftbetriebs die einzelnen Personen zu bringen  drohte – in Zeiten des nationalsozialistischen Herrschaftsstrebens konnte jede Berufung auf Recht und Gesetzt  bekanntlich unvorhersehbare persönliche Risiken nach sich ziehen.

Lech, Zürs und die Initiatoren des beginnenden Liftbetriebs  haben es überstanden -Danke allen denen, die daran beteiligt waren.

„Lifte und Leute“ – meine Idee zu einer einschlägigen Publikation gewinnt offenbar immer neue Facetten!

 

Euer Ekkehard „Ekki“ Bechler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.