Von der Piste in die Luft

Liebe Freunde  des Arlbergs rund um Zürs/Lech

als ich in meinem letzten Beitrag angekündigt habe, auch einmal über die technischen Begleitumstände und Unterstützungen des Skilaufens am Arlberg zu berichten, dachte ich natürlich -wie schon angekündigt- unter anderem an die hinlänglich bekannten „Helfer aus der Luft“, deren Einsatzbereich zum Glück weit über die Hilfe bei Berg- und Skiunfällen hinausgeht. Ob „Mehlsack“ oder „Schneetäli“ – für manch einen unter den Lecher Stammgästen ist der Flug zu den Tiefschneepisten in der Umgebung zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden, und noch größer ist die Zahl derer, die als Zaungäste vor allem auf der Verbindung zwischen Balmenalpe und dem Lietzen-Hang den Starts der Helis beiwohnen. Auch ich steh da zuweilen mit einem innerlichen Grinsen am Rande des Lande- und Startplatzes, wenn einmal mehr der Pilot nach dem Start seinen Passagieren den Reiz des Fliegens nahebringt…: Flugtechnisch völlig überflüssig, aber doch  für die Piloten wohl mit einer klammheimlichen Freude verbunden sieht man dann den Heli kurz abheben, um dann anschließend mit einem unvermuteten Sinkflug über die Kante des Lietzen-Hangs nach unten zu verschwinden.  Das Knattern des Rotors übertönt in diesen Momenten mit seinem gnädigen Lärm  die erschreckten Ausrufe  der Zuschauer (und wohl auch der Passagiere), bis der Vogel dann aus den Tiefen des Steinmähder-Gebiets zielstrebig nach oben entschwebt…..

In den Augen der meisten Betrachter ist das Heli-Skiing ein Produkt des zeitgenössischen Strebens nach „mehr, schneller, und höher“, und nicht alle stehen dieser Variante des alpinen Skilaufs wohlwollend gegenüber – ich halte mich da lieber raus, denn so ganz kann ich mich dem Reiz der schwindelnden Höhen auch nicht entziehen. Aber eines hat mich dabei überrascht: der Heli-Flug als Ausgangspunkt von Skiabfahrten ist so ganz neu auch wieder nicht!

Einer Erzählung von  Erich Berthold,dem ersten Betriebsleiter der Albonabahn in Stuben,  verdanke ich anlässlich der Jubiläumsfeier der Albonabahn im Frühjahr 2017   den Hinweis, dass schon vor  Eröffnung der Albona-Bahn im April 1957 Skifahrer per Helikopter den Aufstieg bewältigten. Dabei -so wird berichtet-kam es kurz vor der Eröffnung der Seilbahn zu einem folgenschweren Heli-Unfall im Bereich der Kaltensee-Hütte, als der Pilot nach dem Aussteigen der Gäste den Start „vermasselte“ und mit dem Rotor Schneeberührung bekam. Zum Glück war die Material-Seilbahn noch nicht abgebaut, und so konnte der schwerverletzte Pilot abtransportiert und in ärztliche Betreuung gebracht werden.

Zum Glück haben sich derlei Ereignis nicht zu Alltagsereignissen entwickelt.

Für die Gäste in Lech, Zürs und den benachbarten Skigebieten-ob mit oder ohne Flugambitionen- hat sich der Hangar zwischen Zürs und Lech direkt neben der Straße zu einem vertrauten Anblick entwickelt, und der gelbe GALLUS I ist inzwischen unentbehrlich für ein flächendeckendes Notarztsystem in Vorarlberg, um die steigende Anzahl von Einsätzen über die Wintermonate bewältigen zu können. Über 375-mal flog der Notarzthubschrauber Gallus 1 zu Beispiel in der Skisaison 2015/2016  verletze Wintersportler in umliegende Kliniken. Auch bei den Such- und Lawineneinsätzen sowie der Bergungen von unverletzten Personen gab es eine Steigerung von 36 % gegenüber dem Vorjahr. Erhöhte Risikobereitschaft, Suche nach Abenteuer und die Leidenschaft am Sport dürften der Grund sein für eine bedenkliche Steigerung der Einsatzzahlen im alpinen Gelände, berichtet Flugrettungsreferent Artur Köb. Sport- und Freizeitunfälle bildeten somit mit über 80 Prozent die häufigste Einsatzursache für den Gallus 1.

Als Folge dieser Entwicklung entstand in einer Private Public Partnership  zwischen Wucher Immobilien, dem Land Vorarlberg und der Bergrettung Vorarlberg  in Zürs ein moderner Flugrettungsstützpunkt, der die Flugrettung auch am Arlberg langfristig sichern wird. Unterstützt wird die Bergrettung von Wucher Helicopter, die das Fluggerät (EC 135) samt Piloten und den Stützpunkt in Zürs stellen. Die Bergrettung stellt Notärzte, Flugretter sowie das medizinische Equipment. Eine optimale und schnelle notfallmedizinische Versorgung verunglückter Personen ist somit gewährleistet.

Auch wenn`s im Ernstfall eine Frage von nachrangig Bedeutung sein  mag, sollte es doch nicht ganz unbeachtet bleiben:

Wer zahlt den Rettungseinsatz?

Für Österreicher ist eine Regelung schnell gefunden, und für die deutschen Skifahrer gilt wohl ähnliches :

„Die Bergungskosten und die Kosten der Beförderung bis ins Tal werden bei Unfällen in Ausübung von Sport und Touristik nicht ersetzt“, heißt es eindeutig und unmissverständlich in Paragraph 131, Absatz 4 des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes. Gerade in den Bergen können die Rettungskosten aber schnell einmal mehrere tausend Euro ausmachen – eine zusätzliche finanzielle Belastung zu den Schmerzen nach einem Unfall. Ob Versicherung über die Bergrettung, ÖAMTC, Kreditkarte, Unfallversicherung oder Sportverein: Wichtig ist die Klausel mit den Bergungskosten, denn diese Kosten können sonst gar nicht oder nur teilweise gedeckt sein. Die Bergrettung empfiehlt daher, sich genau zu informieren, um sicherzugehen, welche Leistungen abgedeckt sind – im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Versicherer. Eine günstige Möglichkeit ist eine Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung. Ab 24 Euro jährlich hat die ganze Familie (!) für Such- und Bergungskosten vorgesorgt.

Zu den Aufgaben der Ski-Helikopter gehörten früher auch Aktivitäten, die nicht den  Auswirkungen, sondern der Vermeidung von Notfall-Einsätzen galten: viele von uns erinnern sich bestimmt, dass nach extremen Neuschneefällen in früherer Zeit Heli-Flüge zu vernehmen waren, die vom Knall einer Explosion gefolgt wurden! Da waren Sprengladungen im Spiel, die auf dem Luftwege zum Ziel gebracht werden mussten, um durch ihre Explosion kritische Schneemassen in Bewegung zu bringen, bevor sie sich zu einer bedrohlichen Lawine entwicklen konnten.

Dies ist eigentlich noch nicht alles, was zu dem obigen Thema zu berichten wäre – aber für heute (kurz vor Mitternacht) ist erstmal Schluss, und auf den nächsten Blog Beitrag lasse ich Euch nicht so lange warten – wahrscheinlich werde ich direkt anschließend an den heutigen Text das Thema „Lawinenschutz“ ein wenig unter die Lupe nehmen…..

Beste Grüße   Euer Ekkehard „Ekki“ Bechler

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